D-L ALVAREZ / RAINER KAMLAH
ORDINARY TRAVELLERS



Ausstellungsdauer: 2. November - 3. Dezember 2004


Ausstellungsrezension:
TAZ v. 17.11.2004

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Zeichnungen Rainer Kamlah / Full Coverage


Pressemitteilung:


"I could be an ordinary traveller out of gas or taking a nap on the side of
the road. Nobody would think differently."

Gerald Schaefer, Killer Fiction, 1997

Wir freuen uns sehr, Sie am Freitag, den 29. Oktober 2004 um 20h zur Eröffnung von Ordinary Travellers bei LAURA MARS GRP begrüßen zu können. Den in der Gemeinschaftsausstellung gezeigten Arbeiten der Berliner Künstler D-L Alvarez und Rainer Kamlah liegt visuelles Material zugrunde, das sich auf unterschiedliche Weise auf Schwerverbrechen, Flucht- und Verfolgungsszenarien bezieht.

Die Basis für D-L Alvarez´ Serie von Zeichnungen bilden hierbei Pressefotos, die kurz nach den berüchtigten Tate/La Bianca-Morden entstanden, die die Manson Family Ende der Sechziger in Kalifornien verübte. Nicht etwa der Tatort bildet hierbei das Motiv, sondern eine Tankstelle, auf der die Täter während ihrer Flucht irreführende Indizien hinterlassen haben. Die zeichnerische Reproduktion des an sich unspektakulären Bildgegenstandes geht bei dem in Kalifornien geborenen Alvarez mit der Hinterfragung des persönlichen und kollektiven Gedächtnisses einher. Alvarez lässt das vergrößerte Motiv in einem Pixel-Raster ver-schwimmen und variiert unterschiedliche Ausschnitte und Tiefenschärfen. Die vermeintlich "objective" Fotovorlage wird so zu einer Projektionsfläche für Erinnerungen an die
amerikanische Westküstenkultur der Sechziger, in der sexuelle und politische Befreiung von Paranoia und Gewalt überlagert wurden.

Ausschnitte von Zeitungsseiten, Patchwork-Decken, eine Schlagzeile und ein Radio: In Rainer Kamlahs Zeichnungsserie Full Coverage (2004) entspinnt sich ein Fluchtszenario auf der Grundlage von Filmstills aus Robert Altmans Südstaaten-Outlaw-Ballade Thieves like Us (1974), die in den 30er Jahren während der Wirtschaftsdepression angesiedelt ist. Bereits der Titel der Serie ist doppeldeutig: "Full Coverage" bedeutet zugleich "Berichterstattung" wie auch "Abdeckung". Wie bei Alvarez spielt hier der Zweifel am Status medialer Vermittlungen eine wichtige Rolle.
In ihrer Ausschnitthaftigkeit lassen Kamlahs Zeichnungen die Grenze zwischen Erzählung und Abstraktion verschwimmen. Anstatt eindeutige Indizien für eine Geschichte zu liefern, oder sich voll und ganz auf ästhetische Kompositionen zu reduzieren, belässt Kamlah seine Bilder in einem Schwebezustand.
In diesem Sinne spiegelt sich das Motiv der Flucht in der gesamten Ausstellung auch auf einer formalen Ebene wieder, wobei Analogien zwischen kriminellen und künstlerischen Strategien möglich werden.